Heute keine Schwulen!
Der Prater Biergarten in meinem Kiez Prenzlauer Berg schient ein Problem mit Schwulen zu haben und liefert ein weiteres Fallbeispiel für die Fallstricke der Social Media Kommunikation vor der eigenen Haustür.
Hintergrund ist folgender: Am Freitag Abend wurde wohl mit dem Kommentar eines Türstehers “Heute keine Schwulen” einem Pärchen der Zutritt verweigert. Der Ärger im Freundeskreis war zurecht groß und so hat ein Freund der beiden diese Geschichte kommentiert und – gespickt mit Empfehlungen für alternative Biergärten in Berlin – auf der Facebook Gruppe (gelöscht) des Praters gepostest. Entsprechend empörte Kommentare anderer Nutzer folgten. Leider reagierte der Moderator der Gruppe mit der kommentarlosen Löschung der Beiträge. Später hatte er sich dafür entschuldigt, dass bis auf zwei Beiträge alle gelöscht wurden. Seitdem ist nichts geschehen.
Nun wird nicht ersichtlich, inwiefern die Facebook Gruppe mit dem Unternehmen verknüpft ist. Die Problematik wird deutlich: Jeder Nutzer kann Fangruppen gründen und somit als Repräsentant des Unternehmens wahrgenommen werden. Fehlverhalten eingeschlossen und in den seltensten Fällen kommen Gruppengründer aus der PR und sind Spezialisten für Social Media. Dennoch ist an diesen Stellen gesunder Menschenverstand zu erwarten. Sollte der Moderator der Gruppe nicht in Verbindung mit dem Unternehmen stehen, hätte er dies schlichtweg klarstellen und die Geschichte an die Veranstalter weiterleiten können.
Entsprechende Reaktionen der Szene sind zu erwarten. Kommentare in weiteren Nutzerprofilen fordern ein Kiss-In. Mit dieser Art von Protestaktion haben bereits letztes Jahr Schwule und Lesben vor einem Eisladen in Schöneberg gegen schwulenfeindliche Beleidigungen des Besitzers protestiert. In diesem Fall bleibt zu hoffen, dass eine wachsende öffentliche Kritik die Verantwortlichen dazu bewegt, der Sache auf den Grund zu gehen und eine Stellungnahme erfolgt. Also bitte mal ein Wörtchen mit der Security reden oder eben die Türpolitik überdenken. Bis dahin hier noch eine Biergartenalternative: Bierhof Rüdersdorf direkt neben dem Berghain soll toll sein.
UPDATE: Der Moderator hat sich bei mir gemeldet. Er sagt, dass nur Gast sei und das Verhalten der Security nicht gutheißen würde, wenn es denn so passiert wäre. Die Kommentare hätte er gelöscht da diese zum Teil unter die Gürtelline gingen und alle den gleichen Ton und die Aussage hatten. Dies mache aus seiner “Sicht der Dinge keinen Sinn”. Natürlich rechtfertigt das nicht die kommentarlose (!) Löschung der Beiträge.
UPDATE 2: Die Facebookgruppe ist nicht mehr erreichbar und scheinbar gelöscht worden. Hoffentlich finden die Betreiber des Praters trotzdem einen Weg, Stellung zu beziehen.
UPDATE 3: Habe den Prater via Mail um Stellungnahme gebeten. Warten wir mal ab.
Kategorie: markeding, schriftstück 8 mal Gerede »


am 15. Juni 2010 um 08:38 Uhr | #
Also ich würde mich als Stammgast im Prater Biergarten bezeichnen. Ich habe da bisher weder eine Security bemerkt, noch habe ich schwulenfeindliche Tendenzen gespürt. Da bin ich mal gespannt, ob sich dieses Gerücht bestätigt.
am 15. Juni 2010 um 09:58 Uhr | #
@Frank Ich habe mir auch Gedanken darüber gemacht, wieso es Türsteher in einem Biergarten gibt. Ich selbst war auch schon ein paar Mal dort und mir ist keine Security aufgefallen. Denkbar ist, dass aufgrund der Fussballspiele bzw. des WM-Auftakts am Freitag Sicherheitspersonal beschäftigt wurde.
am 19. Juni 2010 um 21:55 Uhr | #
Also am Mittwoch vor besagtem Freitag war ich mit 5 weiteren aus meinem Freundeskreis auf dem Weg zum Prater. Mit dem Satz “Heute keine großen Jungs-gruppen mehr” wurden wir von einem Security-Mitarbeiter am Eingang aufgehalten. Dazu ist zu sagen, dass wir dort keineswegs offen schwul hingegangen sind. Allerdings waren zwei Skinheads dabei. (Genau, das sind die, die oft fälschlicherweise als Neonazis bezeichnet werden). Der ganze Vorfall wurde natürlich versucht, mit dem Betreiber zu klären, was jedoch in allen Fällen misslang, da an den einfach kein Herankommen war. Warum das ganze so stattfand, ist mir auch schleierhaft. Vielleicht hat es wirklich was mit der WM zu tun. Wer weiß. Jedenfalls ist der Prater für uns gestorben….
LG
am 26. Juni 2010 um 18:02 Uhr | #
Und? Hat der Prater mal was dazu gesagt?
am 4. Juli 2010 um 21:41 Uhr | #
Der Prater hat sich leider nicht gemeldet.
am 5. Juli 2010 um 08:33 Uhr | #
Haste nochmal nachgefasst? Nun sieht das ja doch etwas komisch aus, wenn das hier so im Raum stehen bleibt.
Ich war übrigens kürzlich da. Im Moment gibt es da tatsächlich Türsteher am Eingang, die einem die Wasserflaschen wegnehmen. Möglicherweise WM-bedingt.
am 5. Oktober 2010 um 13:08 Uhr | #
gab’s eigentlich eine reaktion auf deine mail?
am 29. August 2011 um 12:34 Uhr | #
[...] So wie… Anke zum sexistischen Autospot. Die Mädchenmannschaft zu der “One step too far”-Kampagne. Nadine zu Sarrazin. Und Denise zu der Sache mit dem Prater-Türsteher. [...]